Herstellung einer Holzfigur

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Herstellung einer Holzfigur

Der Entwurf einer neuen Holzfigur erfüllt jeden Holzschnitzer mit großer Spannung und Vorfreude. Doch bis zur endgültigen Figur ist es noch ein langer Weg, bei dem allerlei kreative Arbeitsschritte anfallen.

Vom ersten Entwurf zur Holzfigur

Anfertigung eines Ton-ModellsDie Umsetzung der ersten Ideen für eine neue Holzfigur ist für Holzschnitzer und Modelleure immer ein besonders emotionales Erlebnis. Denn in die von Hand auf Papier gezeichneten Skizzen fließt neben der eigenen Kreativität vor allem viel Herzblut ein. Mit Hilfe der skizzierten Vorstellungen werden zunächst Modellfiguren hergestellt. Dabei verwenden die Modelleure Ton oder Plastilin, zwei Materialien, die sich leicht ändern und umformen lassen.

Häufig sind mehrere Künstler in den Entstehungsprozess involviert. Dabei kommen diverse Modellierwerkzeuge, darunter Modellierschlingen, Modellierhölzer und Modellierzirkel, Lochschneider, Bossierscheiben und Ziehklingen, Silikonpinsel und Silikonspachtel zum Einsatz. Bevor das Plastilin-Modell einem Holzbildhauer übergeben wird, werden viele kleine Details verbessert und verändert. Modelleur und Holzbildhauer kann auch ein und dieselbe Person sein.

Der Prototyp der handgeschnitzten Holzfigur

Herstellung eines handgeschnitzten PrototypsSobald die Modelleure mit ihrer Plastilin-Figur zufrieden sind, wird sie an den Holzbildhauer weitergereicht. Dieser fertigt anhand des Vorbilds eine allererste handgeschnitzte Holzfigur. Dabei kann die Größe der Figur durchaus Einfluss auf die Wahl des zu verwendenden Holzes nehmen. So kommt neben Ahorn- und Lindenholz beispielsweise auch Zirbenholz in Frage.

Die breite Palette der benötigten Schnitzwerkzeuge umfasst Schnitzeisen und Schnitzmesser, Bildhauerbeitel und Schlegel. Stech- und Hohlbeitel kommen ebenso zum Einsatz, wie Kerbschnitzbeitel, Kerbschnitzmesser und diverse Ausführungen vom Gaißfuß. Zierschnitzeisen werden beim Herausarbeiten feinster Details verwendet.

Das Endergebnis ist der Prototyp einer vollkommenen Holzfigur, der zunächst in Bronze gegossen wird, um anschließend im sogenannten Pantographen der Vervielfältigung der Figur zu dienen.

Die Bedeutung des Pantographen

Vervielfältigung mittels PantographDer Pantograph ist ein mechanisches Präzisionsinstrument, mit dem man vorhandene Zeichnungen absolut identisch übertragen kann. Dabei kann die Übertragung im gleichen, im kleineren oder im größeren Maßstab erfolgen. Bei dem für Holzschnitzereien verwendeten Pantographen handelt es sich um eine große Maschine, die nun anstelle einer Zeichnung ein vorhandenes Bronzemodell abtastet und anschließend beliebig viele, identische Holzrohlinge produziert.

Das Holz stammt aus gesunden Stämmen des Ahorns, der Linde oder der Zirbelkiefer, die in Bretterform zugeschnitten für viele Monate zum Trocknen gelagert wurden. Das helle Ahornholz dunkelt kaum nach und ist sehr hart. Lindenholz ist weicher und wird gern für größere Figuren verwendet. Das noch weichere, rötliche Zirbelholz kommt bei kleineren Figuren oder geringeren Stückzahlen zum Einsatz. Bevor der Pantograph jedoch bestückt werden kann, werden die gut durchgetrockneten Bretter nochmals zu kleineren Holzklötzen zugeschnitten.

Vom Schnitzrohling zur charakterstarken Holzfigur

Ausarbeitung der Holzfigur im DetailDer Pantograph arbeitet im Grunde wie eine Schnitzmaschine. Er fertigt Schnitzrohlinge in Form von Rohduplikaten, die anschließend von Hand nachgeschnitzt werden. Dabei arbeiten die Holzschnitzer feinste Details heraus, schleifen die Oberfläche glatt und widmen sich mit besonderer Sorgfalt den charakterstarken Gesichtern. Nicht selten verwenden sie dabei Schnitzeisen und Schnitzmesser, mit denen schon ihre Väter und Großväter gearbeitet haben. Der schwungvolle Faltenwurf eines Gewandes, die emotionale Mimik eines Gesichts oder eine spezielle Hand- und Körperhaltung, das intuitive Talent der Holzschnitzer steuert das Geschick ihrer Finger. Mit Feinfühligkeit und Geduld geben sie jeder Holzfigur den letzten Schliff. Danach sind die handgeschnitzten Figuren im Prinzip fertig und präsentieren sich nun zunächst in der Ausführung „Natur“.

Die unterschiedlichen Ausführungen

Für viele Besitzer von Holzfiguren gehört die naturbelassene Form zu einer der schönsten Ausführungen. Doch es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Veredelungen, die ebenso begeisterte Anhänger finden. Dazu gehören gebeizte, mehrfach gebeizte, antikisierte, bemalte und mit Echtgold verzierte Versionen.

  • Gebeizte Holzfiguren sind mit einer eintönig hellbraunen Wachsbeize eingelassen und werden anschließend mit Wachs sanft poliert.
  • Bei den dreifach gebeizten Figuren wird Wachsbeize in mindestens drei verschiedenen Farbtönen verwendet. Auch hier erfolgt anschließend eine sanfte Politur mit Wachs.
  • Die Ausführung „antik“ oder „antikisiert“ ist eine kunstvolle Bemalung auf krakeliertem Kreidegrund, bei der die Holzfigur abschließend mit Schlagmetall vergoldet wird.
  • Lasierte Holzfiguren werden mit Nitrolack vorgrundiert, anschließend mit Ölfarben bemalt und, falls angebracht, mit Schlagmetall vergoldet. Während die Bemalung mit Ölfarben generell eine kräftigere Farbgestaltung hervorbringt, wirkt die Aquarellbemalung eher zart und zurückhaltend. Dabei sorgt die Wachspolitur für matten Glanz.
  • Eine Holzfigur in der Ausführung „Echtgold“ wird auf Kreidegrund bemalt, also antikisiert, bevor sie mit einer 23-karätigen Blattgoldfolie veredelt wird.

Veredelung der SkulpturDoch egal für welche Ausführung man sich letztlich entscheidet, jede Figur besitzt ihren eigenen Charakter und ihre ganz persönliche Ausstrahlung. Und da nach dem Rohschliff im Pantographen jeder einzelne Arbeitsschritt bis ins noch so kleinste Detail in liebevoller Handarbeit erfolgt, kann jede Holzfigur im Grunde als ein handgeschnitztes Einzelstück betrachtet werden.

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